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Von der Physik der Atmosphäre aus gesehen, gibt es kein Klima. In der Atmosphäre spielt nur das Wetter eine Rolle.

+++ 1. August 2012 +++

Sandy Weill, der „Zertrümmerer von Glass-Steagall“, will es jetzt zurückhaben

Die Glass-Steagall-Debatte erhielt am 24.7. gewaltigen Auftrieb, als der frühere Chef der Citigroup, Sanford Weill, dazu aufrief, die größten Banken aufzuspalten. Weill sagte in der Sendung „Squawk Box“ im Fernsehsender CNBC: „Was wir wahrscheinlich tun sollten, ist hingehen und Investmentbanking vom Banking abtrennen; Banken sollten Einlagennehmer sein, Geschäftskredite und Immobilienkredite vergeben, etwas tun, was keine Steuerzahler-Dollars aufs Spiel setzt und nicht zu groß zum scheitern sein.“

Das ist so, als bereue Brutus plötzlich seinen Mord an Julius Cäsar. Tatsächlich war es Sandy Weill gewesen, der 1998 die Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes erzwungen hatte, indem er durch die Fusion der Geschäftsbank Citicorp mit dem Finanzkonzern Travelers Group die Citigroup schuf. Damit stellte er den Kongreß vor vollendete Tatsachen und setzte so die endgültige Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes durch, nachdem viele Aspekte davon schon aufgehoben worden waren, so wie dies u.a. im Angelides-Bericht des Kongresses beschrieben ist.

Weills Äußerungen machten innerhalb von Minuten die Runde in den Medien. Die New York Times nannte Weills späte Bekehrung zu Glass-Steagall „ein Eingeständnis voller Ironie“, denn „eines seiner bedeutendsten Besitztümer war eine riesige Holzplatte mit seinem Porträt und einer Liste seiner Errungenschaften. Eine davon lautete schlicht: ,Der Zertrümmerer von Glass-Steagall’.“ Am 27.7. entschuldigte sich die New York Times sogar ausdrücklich für ihre früheren Kampagnen gegen Glass-Steagall. Die Financial Times gratulierte Weill am 26.7. zu seinen Äußerungen und schrieb: „Lieber Glass-Steagall wiederherstellen als eine schwache Volcker-Regel“. In Hinsicht auf den „Maßstab für Bekehrung muß man Mr. Weills Sinnesänderung ganz oben zusammen mit der des hl. Paulus auf der Straße nach Damaskus einordnen“.

In seinem CNBC-Interview argumentierte Weill, wenn die USA im Finanzsektor Weltspitze sein wollten, müsse man die großen Banken aufspalten, dann würden sie profitabler als heute. „Das Bankensystem ist wirklich sehr, sehr wichtig“, sagte er. „Ich denke, das Problem, das entstanden ist, entstand durch zuviel Konzentration auf Investitionen im Bankensystem, viel zuviel Fremdfinanzierung, sehr wenig Transparenz, mit vielen Dingen außerhalb der Bilanzen, die eigentlich nicht zählen. Und ich denke, vieles davon muß sich ändern. Aber selbst mit den Problemen gibt es eigentlich bisher kein anderes Land auf der Welt, das die Spitze bilden kann. Deshalb liegt es faktisch an den Vereinigten Staaten, die Spitze zu sein. Und wenn wir die Spitze sein wollen, dann brauchen wir ein Finanzsystem, das uns helfen kann, die Spitze zu bilden, und das haben wir derzeit nicht.“ Die Investmentbanken müßten „vollständig“ von den Geschäftsbanken abgetrennt werden, so daß sie „ihr Geld so investieren können, wie sie mögen“, aber „auf sich gestellte Einheiten wären, so wie vor 25 Jahren“.

Der frühere New Yorker Oberstaatsanwalt Elliot Spitzer sagte dazu, durch Weills Äußerungen habe ein „ganz neues Spiel begonnen“. Die Londoner Financial Times folgte umgehend mit Kritik am Chef der britischen Finanzaufsicht FSA, Lord Turner, in einem namentlich nicht gezeichneten Kommentar, also als Redaktionsmeinung. Turner „zeigte wenig Interesse an der kompletten Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken, für die diese Zeitung sich einsetzt“. Turner ist praktisch der Kandidat der City für die Nachfolge des Chefs der Bank von England, Mervyn King, der möchte, daß die Bank sich im nächsten Jahr mehr Aufsichtsbefugnisse von der FSA zurückholt. In dem Machtkampf benutzte die City schon den LIBOR-Skandal gegen Kings Wunschnachfolger, Paul Tucker, um Turner den Weg freizumachen. Die FT machte sich über Turners „nicht gerade revolutionären“ Ansichten lustig. „Bei Fragen der Geschäftskultur und Vollstreckung hätte man gerne gehört, daß Lord Turner sich für Methoden mit mehr Muskel ausspräche... Es ist einfach absurd, daß bei keinem einzigen der Skandale, die seit der Krise aufgedeckt wurden, irgendjemand von Bedeutung angeklagt wurde.“

Selbst der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble will den Zug nicht verpassen. Er sagte am 29.7. in einem Interview mit der Welt am Sonntag, er wolle den Vorschlag einer Trennung der Universalbanken nicht rundweg ausschließen. „Wenn es in Europa nachgewiesenen Bedarf für einen solchen Schritt gibt, wird Deutschland sich nicht sperren.“ Und in der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel erschien ein Kommentar mit der lapidaren Überschrift „Trennt die Banken“.



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