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Von der Physik der Atmosphäre aus gesehen, gibt es kein Klima. In der Atmosphäre spielt nur das Wetter eine Rolle.

+++ 12. Januar 2012 +++

Konfessionskrieg droht ganz Südwestasien zu erfassen

2006 begann die Regierung Bush-Cheney, in Südwestasien systematisch neuartige Kriege zwischen den Konfessionen zu schüren, um die Region zu „teilen und beherrschen“ und sie zum Ausgangspunkt für noch größere Kriege zu machen. Präsident Obama hat diese Politik übernommen und noch ausgeweitet. Rußland und China haben zwar den Zeitplan des Empire für neue Kriege gegen Syrien und den Iran gleich nach dem Libyenkrieg über den Haufen geworfen, aber Handlanger des Empire wie Saudi-Arabien und Verbündete im Libanon, der Türkei und Katar arbeiten an einem Plan B und wollen in Syrien einen blutigen Vorwand für eine internationale Militärintervention schaffen.

Der Plan, der 2006 mit dem Besuch von US-Vizepräsident Dick Cheney in Saudi-Arabien angestoßen wurde, sieht die Bildung einer sunnitischen Allianz aus den Golfstaaten, Jordanien, Ägypten und Sunniten im Libanon vor, die sich gegen einen angeblichen „schiitischen Halbmond“ von Syrien zum Iran mit der Hisbollah im Südlibanon und Schiiten im Irak richtet. Eingesetzt wird dabei mit Vorliebe die militante Salafiten-Wahabiten-Bewegung (von der Al-Kaida nur einer von mehreren Ablegern ist).

Es mag seltsam klingen, daß dieselben Kräfte, gegen die die USA offiziell Krieg führen, nun Verbündete der anglo-amerikanischen Kriegspläne gegen Syrien und den Iran sind. Der Schlüssel ist die anglo-saudische Verbindung. Dieses anglo-saudische Bündnis reicht bis zur britischen Unterstützung bei der Gründung des Saudi-Wahabiten-Königreiches auf dem größten Teil der Arabischen Halbinsel Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Es setzte dann die Dschihad-Bewegung ein, um in Afghanistan und der Kaukasusregion die Russen bzw. Sowjets zu bekämpfen, und griff dann am 11.9.2001 die USA an, um den weltweiten „Krieg gegen den Terrorismus“ anzustoßen, der seither Nationen in Süd- und Südwestasien zerstört.

Die jüngsten großen Selbstmordanschläge in der syrischen Hauptstadt und im Irak tragen die Handschrift des Selbstmord-Bombenterrors der Salafiten. Gleichzeitig attackiert die sog. Syrische Freie Armee mit Rückendeckung von Saudis, Katar und der Türkei alawitische Sicherheitskräfte und Politiker, um dem Konflikt einen konfessionellen Charakter zu geben. In der syrischen Regierung haben zwar alawitische Kräfte um die Familie Assad das Sagen, aber die Regierung und die regierende Baath-Partei sind säkular und sozialistisch geprägt. Ihre Verbindungen zum Iran beruhen nicht auf religiösen, sondern auf strategischen Interessen. Syrien unterstützt auch seit langem die nominell sunnitische Hamas der Palästinenser.

Die staatlich kontrollierten saudischen Medien, wie Asharq Al-Awsat mit Sitz in London, machen aus dem Vorhaben keinen Hehl und helfen salafitischen Propagandisten, ideologisch den Boden für die Eskalation zu bereiten. Ein Beispiel ist ein Interview vom 2.1. mit Omar Bakri, dem Führer der Al-Muhadschirun, der 2007 aus London ausreisen durfte, um sich einer Auslieferung an die USA wegen Terrorismusverbindungen zu entziehen, und sich in Trablus (Tripoli) im Libanon niederließ. Al-Muhadschirun war eine Londoner Organisation für Propaganda, Rekrutierung und Finanzierung des Dschihad-Kriegs gegen die Russen im Kaukasus. In dem Interview nennt Bakri das Assad-Regime und dessen Verbündete im Iran und bei der Hisbollah „Kafirs“, d.h. „Ungläubige“, und erklärt, Gewalt sei das einzig angemessene Mittel, um dieses Regime zu stürzen.

Zwei Tage später erschien ebenfalls in Asharq Al-Awsat ein Interview mit einem „Salafitenkämpfer“, der zugab, daß er sich zwischen Syrien und dem sunnitisch dominierten Nordlibanon, wo Bakri aktiv ist, hin- und herbewegt und sich an Überfällen auf alawitische Sicherheitskräfte beteiligt. Er sagt ganz offen, die Salafiten bildeten die Speerspitze des bewaffneten Sturzes der syrischen Regierung.

Ähnliche Propaganda dient der Rechtfertigung der Entsendung von Terroristen aus Saudi-Arabien in den Irak, um die „blasphemische Schia“ zu bekämpfen und wahllos Zivilisten zu ermorden. Diese konfessionellen Übergriffe nehmen zu, je mehr das nach der anglo-amerikanischen Invasion 2003 geschaffene, anfällige politische System entlang konfessioneller Linien zerfällt.



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