+++ 14. Oktober 2008 +++
Rettungspakete - "made in London"
Die deutsche Finanzspritze von fast 500 Mrd. €, die entgegen anderslautenden Beteuerungen den Bundeshaushalt und damit den Steuerzahler belasten wird, lässt einen zentralen Bereich der akuten Situation ganz unangetastet - die Derivate, das eigentlich treibende Element der Weltfinanzblase. Dieses wird vom IWF selbst auf ein Volumen von etwa 1,4 Trillionen Dollar, (also 1400 Billionen) geschätzt und macht das 30-fache des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus. Die Idee, diese Blase über Notfonds zu retten, enstand vor einigen Wochen in England am Finanzplatz London, wo die englische Regierung bereits Finanzspritzen im Umfang von 250 Milliarden Pfund mit der Aussicht auf weitere 250 Milliarden zugesagt hat. Den Heuschreckenfonds, ohne die der Finanzplatz London schon vor Jahren bedeutungslos geworden wäre, und von denen weltweit 90 Prozent im englischen Kronterritorium Cayman Islands registriert sind, soll offenbar nichts geschehen. Schon 2005, als der damalige Bundeskanzler Schröder im Rahmen der G7 die Hedgefonds an die Leine nehmen wollte, stemmte sich die englische Regierung völlig dagegen. Das "deutsche" Rettungspaket stammt aus Großbritannien, und das Konzept Londons wurden von den übrigen europäischen Regierungen prinzipienlos übernommen. Der englische Premierminister Gordon Brown brüstete sich am 13.10. in London damit, jetzt sei eine "globale Lösung für globale Probleme gefunden worden". Das Funktionieren "einer offenen (unregulierten) flexiblen freihändlerischen Globalwirtschaft" sei gesichert und ganz wichtig sei, "daß für kommende Generationen London und Großbritannien der Standort für globale Finanzen bleiben." Die Euphorie wird aber auch in London nicht allzulange anhalten, denn die Derivateblase wird schon bald in ihre nächste große Existenzkrise gehen.
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